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(Anti-)Deutschtümelei vs. Antiimperialismus

Ich habe bereits im Anhang meines Blogs „Bloss keine Kritik an der Kritikmaximierung!“ auf das Buch „Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken“ aufmerksam gemacht.

Auf der Suche nach dem Verhältnis zwischen Antiimperialisten und Antideutschen wird man dort sehr schnell fündig:

Wolf Wetzel bringt es dabei auf Seite 126 auf den Punkt: „Wo Antideutsche aufklären, hat Antiimperialismus nichts mehr zu suchen.“  In seinem Beitrag „Vom linken Bellizismus zum anti-deutschen BefreiungsImperialimus“ übt er heftige Kritik an den Befürwortern des Krieges gegen den „islamistischen Terror“.

Wetzel fühlt dabei auch dem offensichtlichen Widerspruch dieser „linken“ und antideutschen Position auf den Zahn, Kapitalismuskritik mit der uneingeschränkten, Nationalflaggen schwenkenden Solidarität mit eben jenen Ländern vereinen zu wollen, die zu den mächtigsten „Kernländern des Kapitalismus“ zählen:

Was gemeinhin für unmöglich gehalten wird, gelingt unter Zuhilfenahme bürgerlicher Zivilisationstheorien durchaus. Ein Dreisatz. Als erstes kappt man die Verbindung und Wechselwirkung zwischen imperialistischer Ökonomie und US-alliierten Kriegen: „Der Verweis auf angeblich imperialistische US-Interessen im afghanischen Wüstensand verdreht Ursache und Wirkung der aktuellen Entwicklung. […] Dieser Krieg ist die Antwort auf einen konkreten und in dieser Form bisher nicht dagewesenen Angriff…“ (Albertini, Jungle World, 17.10.01)

Im zweiten Schritt behauptet man, die Angriffe des 11.9.2001 seien eine Kriegserklärung an den gottlosen American Way of Life, gegen die man das in der US-Verfassung verbürgte Recht auf Glück hochhalten soll, ein Angriff auf die antisemitisch konnotierte >Moderne<, deren Schutzwürdigkeit im Staat Israel seine kristalline Form angenommen hat. Dem gegenüber setzt man eine islamische Welt, die von (feudaler) Rückständigkeit, göttlichem Wahn und antisemitisch aufgeladenem Märtyrer-Mythos geprägt ist.

Zu guter Letzt fliegen die US-alliierten Bomber im Geist antideutscher Aufklärung Angriffe auf Staaten und Gesellschaften, die das westliche Abendland glücklich und stolz hinter sich gelassen hat.

Wer die Welt so zeichnet, tut sich nicht mehr schwer, mit Journalisten des Springer-Verlages, mit dem Vorsitzenden des Zionistischen Verbandes Deutschlands, Rene Pollack, an einem Strang zu ziehen und die >bewaffnete Selbstverteidigung Israels als Kristallationspunkt eines weltweiten Kampfes gegen den barbarischen Antikapitalismus< (Bahamas-Redaktion) zu verkünden.

(Kursivierung und Hervorhebung von mir)

Nun ist es aber nicht nur so, dass man jenen Antideutschen lediglich vorhalten könnte, an einem zivilisationstheoretischen Fortschrittsglauben festzuhalten (das kann und darf, wer unbedingt möchte und es einfach nicht besser weiß) – es ist doch vielmehr so, dass ihrer Rhetorik eben jene ARROGANZ der Mächtigen und „Aufgeklärten“ anhaftet, die so gar nicht zu einem kritischen (vor allem jedoch herrschaftskritischen) Denken der Linken passt. Kriege werden zum notwendigen und „kleineren“ Übel stilisiert – und das alles zum Wohle der „ach-so-guten-Achse-des-Guten“. Ich nenne das schlichtweg Heuchelei. (Oder muss man hier einfach nur von einer grenzenlosen Dummheit ausgehen? Um an dieser Stelle den berühmten, abschließenden Satz von Gerhard Polt aus „Gummibärli-Automat“ zu zitieren: „Ich weiß es nicht. Vielleicht wissen´s Sie?“)

In diesem Sinne: Für eine Kritik an der „Kritikmaximierung“! Für kritisches Denken – gerade dort, wo man meint, es bereits „maximiert“ zu haben – oder sich einbildet, es zu maximieren!

Und an all jene, die immer noch meinen, andere unbedingt diffamieren zu müssen, um ihr Ziel zu erreichen – hier ein nettes Video (auch und gerade zum Thema „Heuchelei“):

 

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