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Werbung auf´m Campus (Dienstag, 31. Juli 2007)

Dienstag, 31. Juli 2007.

Es ist halb drei am Nachmittag. Mein Magen knurrt und ich begebe mich auf den Weg zum Hamburger Uni-Campus. Der Fraß in der Mensa ist zwar nicht gerade der gesündeste, aber er ölt zumindest die übersäuerte Plauze. Ich schlendere an diversen Cafés vorbei, deren Interieur ich bislang nur durch die Glasscheibe erspähen konnte. Zwei Euro fünfzig sind mir dann doch zuviel für einen mittelgroßen Cappuccino. Da entdecke ich auf einem der Aufsteller eine Werbung, die mich innerlich schäumen lässt: „Große Latte Macchiato nur 1.99 Euro!“ Nun, dagegen wäre prinzipiell nichts einzuwenden, da der Preis durchaus großzügig erscheint. Nein, es sind vielmehr die folgenden Zeilen, die mich in Rage bringen: „Studieren ist teuer genug!“ Was will mir der Verfasser mit dieser ungelenken Kreidekrakelei eigentlich mitteilen? Etwa: Finde Dich endlich damit ab, dass Du Studiengebühren zu zahlen hast – wir versorgen Dich zumindest mit günstigen Heißgetränken? Oder: Hey, so what? Bei uns gibt´s den preiswerten Powerkick!? Mein Magen verkrampft sich noch mehr und ich eile an diesem Kundenstopper vorbei – einen abfälligen Blick in Richtung des Cafétresens werfend. Vielleicht stand er ja dort – der Chef, der doofe – und hat mein eiskaltes Augenspiel bemerkt. Der wird sich jedenfalls wundern und vielleicht sogar fragen, warum ich ihn gerade so grimmig angeschaut habe. Ha! Jeden Tag eine gute Tat…Schließlich erreiche ich die Uni-Mensa, schnappe mir ein Tablett und stelle mich in einer Reihe vor der Essensausgabe an. Die Entscheidung ist schnell gefällt: Kötbuller – schwedische Partyfrikadellen in Preiselbeersoße. Kostet auch nur 1.50 Euro. Als ich mich endlich zu einem freien Sitzplatz durchkämpfen kann, beginnt sich meine Laune etwas zu bessern. Hungrig schlinge ich die kleinen Fleischbällchen in mich hinein und spüle den fettigen, vorverdauten Brei anschließend mit einem Grapefruitsaft hinunter. Endlich beginnen sich meine Gliedmaßen zu entkrampfen und ich strecke meine Arme genüsslich vom Oberkörper. Da erblicke ich direkt vor mir an der Wand ein Werbeposter der Schweizer Milchverarbeitungsfirma Emmi. „Hol Dir den Hot-Job!“ prangt dort in großen, schwarzen Lettern. Und weiter: „Stell Dich dem Wettbewerb mit Komilitonen anderer Universitäten – und wir zahlen die Hälfte Deiner Studiengebühren pro Semester!“ Ich verschlucke mich an meinem Grapefruitsaft. Was mir nun plötzlich sauer aufstößt, könnte allerdings auch von meiner eigenen Magenschleimhaut stammen. Ich drehe meinen Kopf und blicke um mich. Da sitzen sie alle und kauen auf ihrem Mensafraß rum. Außer mir scheint keiner diese bodenlose Unverschämtheit entdeckt zu haben. Plötzlich erspähe ich noch andere Werbeplakate über den Köpfen des schmatzenden Studenten-Pöbels. Cosmos-Direct wirbt für Haftpflichtversicherungen, O2 bietet „entspanntes Surfen für nur 30 Euro monatlich“ – und die Commerzbank verkloppt günstige Studienkredite. Ich drehe mich wieder mit gesenktem Kopf zu meinem Tisch und erblicke den Pepsi-Plastikbecher in meiner Hand. Irgendwie scheint sich nun mein Magen umzudrehen und mir wird plötzlich schlecht. Eilig haste ich zur Tablett-Abgabe, kämpfe mich dann durch die ankommenden Massen hungriger Studenten hindurch, bis ich schließlich den Mensa-Ausgang erreiche. Endlich draußen, röchele ich keuchend nach Frischluft. Keine zehn Meter weiter entdecke ich einen Kleinbus auf dem Campus. Eine Traube von Studenten hat sich mittlerweile um den Transporter gebildet. Irgendetwas scheint es da umsonst zu geben. Ich trete näher und traue beinahe meinen Augen nicht: Der Netzanbieter BASE lädt zum Gewinnspiel ein. Natürlich nur bei Vertragsabschluß. Dennoch ist der Andrang groß – vielleicht auch, weil BASE mit einer 50%igen Reduzierung der Studiengebühr wirbt…

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