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Historiker Shlomo Sand: „Es gibt kein jüdisches Volk“

Und hier wieder ein netter Artikel, der vielen (Anti-)Deutschen und (anderen) Rassisten gehörig auf den Magen schlagen wird:

http://fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/2538759_Historiker-Shlomo-Sand-Es-gibt-kein-juedisches-Volk.html

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What the f*** heißt eigentlich „Solidarität mit…“?

Gestern fand sie also statt, die groß angekündigte Demo des „Bündnisses gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“. Wie zu erwarten war, wurden auch fleißig Fähnlein geschwenkt. Auf beiden Seiten versteht sich. Nein, überraschend war an dieser Veranstaltung wahrlich rein gar nichts. Stupide Solidaritätsbekundungen auf beiden Seiten. Ich frage mich nur, woher diese  überambitionierte Israel- bzw. Palästina-Affinität vieler DemonstrantInnen und GegendemonstrantInnen herrühren mag. Ich rede explizit über Transpis mit Aufschriften wie: „Solidarität mit Israel!“. Was genau meinen diese jungen (und etwas älteren), „aufgeklärten“ Menschen eigentlich damit? Mit wem oder was wird sich denn da solidarisiert? Mit dem Staat Israel? Mit der israelischen Polit-Kultur? Mit der Besatzungsrealität? Mit der nicht enden wollenden Gewaltspirale? Mit dem israelischen Militär? Und was meinen die anderen eigentlich damit, wenn sie sich mit DEN Palästinensern solidarisieren?

Für mich machen solche Solidaritätsbekundungen – mit Verlaub – gerade mal genauso viel Sinn, wie Solidaritätsbekundungen für – sagen wir mal: „Frauen“, „Kinder“ oder auch „doppelseitiges Klebeband“. Geht´s vielleicht auch ein bisschen genauer und differenzierter? Ok, ok: kurze, knappe Idiologeme lassen sich besser schreien und auf ein Transpi malen – alles andere wäre ja auch wirklich zu müßig…

Ja, wirklich?

Tja, wenn man ein wenig mehr darüber nachdenken würde, dann bekäme man wohl auch sehr schnell ein Problem mit dieser stark verkürzten Denkweise. Dann würde man auch etwas Abstand von einer uneingeschränkten Solidaritätsbekundung nehmen. Dann würde man keine Nationalflaggen mehr schwenken, keine mehr verbrennen – keine mehr auf Klopapierrollen malen und sich nicht gegenseitig bekriegen und verprügeln…(naja, schön wär´s zumindest…) Es sei denn, tja es sei denn, man WILL es – oder aber gibt es vielleicht einen einfacheren Grund dafür?

JA! Mit Ideologien lebt´s sich halt leichter. Der Mensch braucht den Mythos – und wenns sein muß, dann kramt er ihn aus der Grabbelkiste der 70er hervor (oder er bedient sich der großen, religiösen Metaerzählungen).

Ein K(r)ampf von Mythos gegen Mythos – Ideologie gegen Ideologie. Nichts anderes hat sich gestern zugetragen.

Silke Opfer bringt es dabei eher unfreiwillig auf den „Punkt“: „Ich bin gegen die antizionistische Haltung der B5-Leute, deshalb demonstriere ich“, sagte die 39-Jährige.(sal)

Aha. Alles klar. Schon verstanden. Sie sagt das ja auch schon so, als ob damit schon alles gesagt wäre. Ist es das wirklich?

Also ich kann nur sagen, dass ich gegen Rosinen in meinem Kaiserschmarrn bin, keine Lakritze mag, gegen Studiengebühren und gegen die Todestrafe bin, gegen staatlich (und sonstwie) angeordnete Folter – und ja, natürlich auch gegen Antisemitismus – das sind so ziemlich die Dinge, bei denen ich mir SICHER bin, dass sie für mich nicht klar gehen. Natürlich würde ich nicht gegen Lakritze und Rosinen auf die Straße gehen, weil andere Leute das ja vielleicht ganz lecker finden. Aber andererseits: Wie käme ich denn dazu, grundsätzlich gegen die antizionistische Haltung anderer Menschen zu sein und dann dagegen auf der Straße zu protestieren? Versteh ich nicht. Weiß denn die gute Frau überhaupt, dass es auch antizionistische Juden* und Israelis gibt? Und weiß sie denn auch, dass eine antizionistische Haltung nicht unbedingt gleichbedeutend ist mit der Verweigerung des Existenzrechts Israels? Es gibt freilich verschiedenste Formen und Ausprägungen des Antizionismus‘.  Einige mögen auch sicherlich nicht weit entfernt von antisemitischem Gedankengut sein. Dennoch: die Gründe für eine antizionistische Einstellung sind oftmals sehr verschieden. Dabei wäre zu klären, wie es nun tatsächlich um die spezielle politische Gesinnung der Antiimperialisten aus der B5 bestellt ist. Aber ach, ich bezweifle ja, dass das Frau Opfer überhaupt interessiert. Aber, so viel steht immerhin für sie fest: sie ist „dagegen“. Wahrscheinlich auch, weil sie – wie so viele anderen „erleuchteten“ Menschen – Antisemitismus und Antizionismus in einen Topf wirft. Ich vermute mal, Frau Opfer geht auf die Straße, weil sie denkt, dass das was sie da tut, ein wichtiger Schritt gegen den Antisemitismus ist. Und in ihren Augen sind die Leute der B5 nicht weit vom Antisemitismus entfernt. Woher aber weiß Frau Opfer das? Ach so ja, stand ja in der Zeitung…

Sind Antiimperialisten, da ja alle Antizionisten (alles andere wäre ja auch ein bisschen unlogisch) auch Antisemiten? Ist das so? Die für viele reichlich unbequeme Antwort auf diese Frage lautet: NEIN!

Interessant wäre für mich allerdings im Gegenzug die Beantwortung der Frage, ob sie (Frau Opfer muß hier nun leider als „Fallbeispiel“ herhalten!) denn eigentlich nicht vielmehr gegen, sorry, ich nenne es jetzt mal das Existenzrecht der B5 auf die Straße geht und auch sonst grundsätzlich gegen eine antizionistische Haltung (also auch gegen die einiger Juden und Israelis) ist. Und warum?

Kann und darf es nur einen Judenstaat geben? Haben die Palästinenser nicht etwa auch das Recht auf einen eigenen Staat? Ist Israel denn tatsächlich der versprochene sichere Ort für Juden geworden? Wenn nein (und das zeigt uns leider die Realität) – was könnte man dann dagegen unternehmen? Mehr Mauern bauen? Mehr Bomben abwerfen? Eine rigorose Trennung von Moslems, Christen und Juden anstreben? Geht das überhaupt? Wenn nein – weshalb nicht?

Aber halt! Das sind schon wieder viel zu viele Fragen.

Denn: Es geht halt nichts über ein klares und einfaches Weltbild.

Ach ja: Immerhin meldete sich Lanzmann wieder mal zu Wort und dankte den Veranstaltern für ihren „Mut“. Ja, das geht doch mal runter wie Öl, was? Wenn man schon selber nicht weiß, was man da tut, dann tut es doch gut, wenn man von jemandem wie Lanzmann gesagt bekommt, dass es gut ist, was man tut.

Da kann man wieder beruhigt ins Bettchen gehen, sich selbst auf die Schulter klopfen und seelig die Äuglein schließen.

Na denn: gute Nacht!

* zu nennen wären hier etwa Moshe Zuckermann (Post-Zionist, Verfechter bzw. Befürworter der Ein-Staaten-Lösung – was somit  nicht mehr für den „Jüdischen Staat“ „Judenstaat“ spräche), Noam Chomsky (kritisiert den Zionismus grundsätzlich) und eine Vielzahl (ultra-) orthodoxer Juden, die den Zionismus bekämpfen, weil er sich nicht mit ihrem Glauben vereinbaren lässt.

„Kurzer“ Nachtrag:

Sollte es tatsächlich stimmen, dass einige unter den Pro-Israel-Demonstranten Dinge wie „IDF, USA, auf die Fresse – Antifa!“ oder dergleichen gebrüllt haben: (Mal abgesehen davon, dass dies mal wieder zeigt, dass es offenbar immer noch dümmer geht) Voran! Voran! Wie wär´s mit einem freiwilligen, militärischen Einsatz in Krisengebieten? Aber nicht in einem halbwegs sicheren Panzer – oder per Knopfdruck einfach mal so ein paar Bomben abwerfen – nene, so richtig im Matsch mit Arschwasser – und dann Raketenbeschuss und Mörserangriff von oben. Aber soweit kommt´s ja nicht bei den meisten Wohlstandsbengeln (ja, ich gebe zu – das ist eine Unterstellung)  und Freizeit-„Revoluzzern“. Aufmucken is da in der Brigittenstraße wesentlich einfacher – anschließend geht man vielleicht noch auf ne Party in die Rote Flora zum Absteppen und Sekt-Süffeln „gegen die Gesamtscheiße“ (harr-harr, so sieht sie aus, die Wohlstandsrevolution!), stampft dann munter zu stupider Electro-Mucke und wedelt sich einen auf den eigenen „mutigen und heldenhaften“ Einsatz gegen den Antisemitismus.

Tja, da kann einem nur schlecht werden bei so viel Heldentum.

Unterhaltet Euch mal lieber mit den Menschen in Israel. Die Mehrheit will keinen Krieg, sondern einfach nur ein normales Leben leben. Leider hört man ja nur hin, wenn Fanatiker in die Welt hinausblöken. So wie gestern. So wie am 25. Oktober. So wie immer.

Zum Kotzen.

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